Als die SPD noch wählbar war

Wil­ly Brandt spielt Man­do­li­ne. Nicht mal zwei­ein­halb Kilo­me­ter von hier, am »Forst­frie­den« nahe dem Don­oper Teich. Am 17. Juli 1976.

Als mei­ne poli­ti­sche Sozia­li­sa­ti­on begann, waren alle Leu­te, die für mich wich­tig waren und die ich respek­tier­te, Sozi­al­de­mo­kra­ten. Da war ich noch nicht mal 16 Jah­re alt.

Mein Klas­sen­leh­rer, der spä­te­re NRW-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Man­fred Böcker aus August­dorf, zum Bei­spiel. Oder der Kreis­po­li­ti­ker und Dorf­pfar­rer Hans Bud­de, bei dem ich Zeu­ge des Besuchs von Wil­ly Brandt war. Oder der lang­jäh­ri­ge Bür­ger­meis­ter Kurt Wis­ting­hau­sen. Eben­falls August­dorf.

Als ich als Lokal-Jour­na­list mei­ne ers­ten Schrit­te mach­te, waren es das Kal­le­ta­ler Rats­mit­glied Erhard Arning (2022 ver­stor­ben) und sei­ne Frau Ellen oder der Rats­herr Vol­ker Aust aus Baven­hau­sen oder André Bier­baum aus Erd­er, denen ich viel zu ver­dan­ken hat­te, die mir vor­leb­ten und bei­brach­ten, wie (Lokal-)Politik und Enga­ge­ment für die Gemein­schaft funk­tio­niert. Den lip­pi­schen Land­rat Hans Pohl aus Lem­go, frü­her mal Mit­spie­ler von Ger­hard Schrö­der in der Fuß­ball­mann­schaft des TuS Tal­le, zu ach­ten, war eben­falls nicht schwer. Det­molds Bür­ger­meis­ter Fried­rich »Frit­ze« Brak­e­mei­er habe ich als Redak­teur oft das Leben schwer­ge­macht. Ich habe mei­nen Job gemacht, er sei­nen. Ihn als Mensch zu respek­tie­ren, fiel mir aber immer leicht.

Es waren alles Men­schen, dank derer die Gemein­de bes­ser war als ohne sie. Eini­ge sind immer noch aktiv.

Heu­te sind die Sozi­al­de­mo­kra­ten oder die, die sich so nen­nen, Men­schen, die ich nicht respek­tie­ren kann. Kar­rier­ris­ten, Blen­der, Schwät­zer, Gen­der-Idio­ten, Mit­läu­fer, Strip­pen­zie­her, Pos­ten­jä­ger, Netz­wer­ker, Quo­ten- und Pro­porz­rei­te­rIn­nen.

Frü­her war die SPD die Par­tei der »klei­nen Leu­te«.

Frü­her war die SPD die Par­tei, die sich für Bil­dung für alle ein­setz­te.

Frü­her war die SPD die Par­tei des Frie­dens.

Frü­her war die SPD die Par­tei des sozia­len Aus­gleichs.

Frü­her war die SPD die Par­tei, die Chan­cen­gleich­heit ernst nahm.

Frü­her war die SPD die Par­tei, die ein­ge­denk der Krie­ge des 20. Jahr­hun­derts die Ein­heit Euro­pas hoch­hielt.

Heu­te ist die SPD die Par­tei der Wort­hül­sen, der lee­ren Ver­spre­chen, der Popan­ze, des Mili­tärs.

Heu­te ist die SPD die Par­tei, für die kor­rup­te Ban­ker und deren Inter­es­sen oder Sozi­al­staats-Schnor­rer mehr zäh­len als die ehr­li­cher Malo­cher und Men­schen, die immer noch ver­su­chen, ihren Lebens­un­ter­halt anstän­dig zu ver­die­nen. Und es kaum noch hin­krie­gen.

Heu­te ist die SPD die Par­tei der ewi­gen Man­dats­trä­ger, der Dau­er­pos­ten­be­sit­zer, der Kung­le­rIn­nen und Spe­zis, der Zeit­geist­ler.

Ein­fach nur noch absto­ßend. Zum Weg­lau­fen.

Wenn Wil­ly Brandt oder Hel­mut Schmidt, Egon Bahr, Johan­nes Rau oder Wolf­gang Cle­ment wüss­ten, wie es um die SPD und um das Land steht, sie wür­den im Gra­be rotie­ren.

Ich den­ke nicht, dass sich das noch mal zum Bes­se­ren wen­den wird. Und die­ser Par­tei­tag in Ber­lin wird dar­an nicht das Gerings­te ändern. Erst recht nicht mit den der­zeit han­deln­den Per­so­nen.

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