Vom Augenschmaus zum Gaumenglück

Ganz ehr­lich? Der fruch­ti­ge Guss macht den Mohn­ku­chen so speziell.

Die­ses Jahr stand der gan­ze Wall vol­ler Mohn. Das sah schön aus. Und der Mohn­sa­men aus den vie­len Kap­seln soll­te natür­lich auch nicht ein­fach so ver­kom­men. Was lag näher als einen Mohn­stru­del zu backen? Heu­te war es soweit.

Noch vor nicht lan­ger Zeit sah der Mohn so aus.

Doch vor das Backen haben die Göt­ter das Mah­len gesetzt. Gut, dass wir eine klei­ne Hand­müh­le besit­zen. Aller­dings flie­ßen bei den aktu­el­len Tem­pe­ra­tu­ren eini­ge Schweiß­trop­fen, bis die Mohn­sa­men gemah­len sind. Dafür geht es halt nicht fri­scher. In der Zwi­schen­zeit reif­te der Hefe­teig. Nach dem Rei­ben der Zitro­nen­scha­le und dem Aus­krat­zen einer Vanil­le­scho­te duf­te­te die Küche para­die­sisch – ein Vor­ge­schmack auf den kom­men­den Kuchen.

Die Mühen des Mohn­mah­lens von Hand. Das Ergeb­nis inter­es­sier­te auch die Wespe.

Die Fül­lung war schnell gemacht und muss­te nur etwas abküh­len. Zeit den Hefe­teig aus­zu­rol­len. Mit Bäcker­stär­ke auf der Arbeits­plat­te und oben drauf sowie am Roll­holz ging auch das fix und ohne gro­ße Kleberei.

Die Her­aus­for­de­rung kam, nach der Teig mit But­ter ein­ge­stri­chen und die Mohn­fül­lung dar­auf ver­teilt war. Das Auf­rol­len ging auch noch. Dann war die Rol­le der Län­ge nach durch­zu­schnei­den, was auch mit einem schma­len, mit Was­ser benetz­ten Mes­ser auch noch gelang. Da der Teig aber recht weich war, war das “Flech­ten” nicht ganz ein­fach. Aber immer­hin noch ein­fa­cher, als den zu einem Kranz geleg­ten Zopf in die Rund­form zu bug­sie­ren. Aber mit zwei Teigscha­bern und beherz­ten Grif­fen gelang schließ­lich auch das. Natür­lich fand ich nicht den Spring­form­ein­satz mit dem Horn in der Mit­te. Da habe ich mir mit einem Schäl­chen behol­fen, das ich kopf­über in der Mit­te plat­ziert habe.

Der Rest war einfach.

But­ter, gestif­tel­te gerös­te­te Man­deln, Vanil­le, eige­ner Mohn – was soll da schiefgehen?

Der Kuchen ging wun­der­bar auf, riss schön ein, so dass stel­len­wei­se die Mohn­fül­lung sicht­bar wur­de. Alles prima.

Für den Guss habe ich impro­vi­siert. Wir hat­ten nicht mehr genug Puder­zu­cker, was sich jedoch als unpro­ble­ma­tisch erwies. Hin­zu kamen selbst­ge­mach­tes Quit­ten­ge­lee (eigent­lich nur Saft, der aber stark geliert ist, wie Quit­ten das so an sich haben), Zitro­nen­saft und Rum. Leicht ange­dickt mit etwas Bäcker­stär­ke. Ich hät­te mich sofort rein­le­gen kön­nen. Ging aber nicht, da es ja den Kuchen ver­edeln soll­te. Was dann auch geschah. Eine genia­le Verbindung.

Lecke­rei aus Mohn – eige­ne Ernte.

Der Kuchen war noch nicht kalt, da waren schon zwei Stück­chen des saf­tig-locke­ren Hefe-Mohn-Zopfs ver­zehrt. Der Rest wird auch nicht lan­ge über­le­ben. Und das Lob der bes­ten Ehe­frau von allen war der Lohn für die Mühe.

François Villon (1431−1464)

Im Som­mer war das Gras so tief, 
Daß jeder Wind dar­an vorüberlief. 
Ich habe da dein Blut gespürt 
Und wie es heiß zu mir herüberrann. 
Du hast nur mein Gesicht berührt. 
Da starb er ein­fach hin, der har­te Mann, 
Weils sol­che Lie­be nicht mehr gibt… 

Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt. 
Im Feld den gan­zen Som­mer war 
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar. 
Jetzt wird es abge­mäht, das Gras, 
Die bun­ten Blu­men wel­ken auch dahin. 
Und wenn der rote Mohn so blaß 
Gewor­den ist, dann hat es kei­nen Sinn, 
Daß es noch wei­ße Wol­ken gibt… 

Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt. 
Du sagst, daß es bald Kin­der gibt, 
Wenn man sich in dein rotes Haar verliebt, 
So rot wie Mohn, so weiß wie Schnee. 

Im Herbst da keh­ren vie­le Kin­der ein, 
War­um solls auch bei uns nicht sein? 
Du bleibst im Win­ter auch mein rotes Reh, 
Und wenn es tau­send schö­ne­re gibt… 
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

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